Berühmte Absolvent/innen – Heute: Gottlieb Daimler

An den Hochschulen, die heute dem Studierendenwerk Stuttgart angegliedert sind, haben im Laufe der Zeit viele helle Köpfe studiert. In unserer neuen Reihe stellen wir einige der berühmtesten vor. Heute widmen wir uns im ersten Teil der Reihe Gottlieb Daimler.

Gottlieb Daimler war ein stattlicher Mann, der sich manchmal unsicher fühlte (Bild: gemeinfrei)

Gottlieb Daimler war ein Visionär und Pionier der Automobilindustrie. Seine größten Leistungen waren die Entwicklung des ersten vierrädrigen Kraftfahrzeugs mit Verbrennungsmotor sowie des ersten schnelllaufenden Benzinmotors. 1857 begann der junge Mann, der eigentlich „Däumler“ hieß, mit 23 Jahren sein Maschinenbaustudium an der Polytechnischen Schule in Stuttgart. Später wurde die Polytechnische Schule in Technische Hochschule umbenannt, 1967 dann schließlich Universität. Als Studierender war Gottlieb Daimler Mitglied in Stuttgarts ältester Studentenverbindung Corps Stauffia. Es folgten mehrere Studienreisen ins Ausland. In Leeds und Manchester machte er sich selbst ein Bild von der Industrialisierung, im Elsass arbeitete er in einer Maschinenfabrik. Wer sich heute in seinem Studium ab und zu gestresst fühlt, sollte nicht verzagen: Auch Daimler ging es so, und er hat es trotzdem zu etwas gebracht. In einem Brief aus England schrieb er an seinen Onkel: „… ich kann nämlich nicht lesen oder studieren, solange ich will, sondern sobald ich des Abends zu lange sitze oder mich nur ein wenig anstrengen will, so bekomme ich Schwindel. Das Blut steigt mir in den Kopf und trübt mir den Verstand, dass ich nicht mehr klar denken kann und ich muss es wider meinen Willen aufgeben. Schon einige Male wollte ich es durchaus forcieren, da bekam ich geradezu eine Ohnmacht und Herzklopfen und hatte eine schlaflose Nacht.“

 

Vor dem Rathaus in seiner Geburtsstadt Schorndorf wird Daimler mit einer Statue geehrt (Bild: Astrid Diepes)

Über die Arbeitszeiten seines Onkels war Gottlieb gelinde gesagt schockiert. Er befürchtete, einem solchen Arbeitsleben nicht gewachsen zu sein: „Wenn ich von Dir höre, dass du viermal in der Woche neben Deinem Geschäft am Tage bis nachts um 1 Uhr hinsitzen und arbeiten kannst, ohne Dich zu überarbeiten, so will mir fast der Mut sinken und ich komme zu der Meinung, dass ich nie im Leben es zu etwas bringe und eine ordentliche Stellung werde begleiten können.“ Ein Drückeberger war er jedoch keineswegs: Im Gegenteil, Gottlieb war äußerst ehrgeizig, zielstrebig und hartnäckig. Er liebte es, Neues zu lernen und zu tüfteln. Bereits als Kind war es für ihn selbstverständlich, jeden Sonntag in der Zeichenschule zu verbringen. Seine Liebe zum Detail sieht man in all seinen Zeichnungen, in denen der Junge Insekten und andere Tiere festhielt. Daimlers Fleiß hat sich ausgezahlt: Seit 1964 ist sogar ein Berg nach ihm benannt – der 1280 Meter hohe Mount Daimler in der Antarktis. Trotz seines außergewöhnlichen Talents und des Erfolgs, der ihm Recht gab, fühlte er sich zeitweise wie ein Gefangener: „Ich komme mir vor, wie ein Vogel, dem die Flügel gegeben sind, der sie aber nicht gebrauchen kann, weil sie ihm gebunden sind.“

Daimlers Geburtshaus in Schorndorf ist heute ein Museum (Bild: Astrid Diepes)

Auch für einen Visionär wie Daimler war nicht abzusehen, wie schnell sich Autos weltweit verbreiten würden. So kam er zu seiner Einschätzung: „Die weltweite Nachfrage nach Kraftfahrzeugen wird eine Million nicht überschreiten – allein schon aus Mangel an verfügbaren Chauffeuren.“ Er hätte nie damit gerechnet, dass wir im Jahr 2018 über Fahrverbote in Stuttgart und anderen Großstädten diskutieren müssen. In Wirklichkeit entwickelte sich die Anzahl zugelassener Pkw deutlich rasanter: 2015 betrug die Anzahl der weltweit registrierten Kraftfahrzeuge laut dem Statistikportal „statista“ 1.282.270.000.

Daimler erblickte am 17. März 1834 in Schorndorf das Licht der Welt. Heute ist sein Geburtshaus ein Museum, das dienstags bis freitags von 14 Uhr bis 17.30 Uhr sowie samstags, sonntags und feiertags von 11 bis 17 Uhr kostenfrei besucht werden kann.

 

 

 



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