Datenschutz: Besser jetzt als nie

Schon mal eine Krankheit gegoogelt, illegal einen Film gestreamt oder einen Porno geschaut? Dann finden sich vielleicht Daten auf deinen Geräten, die du lieber für dich behalten würdest. Wir zeigen dir, wie du mit wenigen Klicks auf deinem Handy, Tablet und Laptop deine Daten sicher machen kannst.

Auch wenn du bis jetzt ohne Schloss und Riegel gelebt hast, noch ist nichts verloren (Bild: Aline Spantig)

Anfang letzten Monats wurde die Sängerin Sia erpresst: Ein Nacktbild sollte von ihr im Internet veröffentlicht werden, wenn sie kein Lösegeld zahle. Daraufhin twitterte die Künstlerin das Bild einfach selbst. Die coole Aktion täuscht leider nicht darüber hinweg, dass das Internet seine schlechten Seiten hat. Zum Glück gibt es gute Leute wie den zertifizierten ethischen Hacker Dirk Heuzeroth. Er ist Professor an der Hochschule der Medien und beschäftigte sich schon mit Datenschutz, als noch Disketten untereinander auf dem Schulhof ausgetauscht wurden. Als erstes empfiehlt er Datensicherung, also ein Backup von Bildern, Dokumenten und sonstigen wichtigen Dateien. Hacker können deine Daten verschlüsseln und Lösegeld fordern, damit du deine geliebten Urlaubsbilder und wichtige Hausarbeiten wieder bekommst. Hast du ein Backup, kannst du dir das sparen. Für alle Geräte gibt es dafür automatisierte Mechanismen. Leider wäre das trotzdem so, wie wenn du deinen Schlüssel verlierst, zwar einen Ersatzschlüssel hast, aber trotzdem Angst haben musst, dass jemand einfach bei dir zu Tür hereinspaziert.

Spam-Alarm: Leider will dir niemand wirklich 2,3 Milliarden Euro schenken (Bild: Aline Spantig)

Deshalb solltest du die Türen zu deiner Wohnung und deinen internetfähigen Geräten immer schön sicher halten. Dazu hilft es, alle Systeme aktuell zu halten und die Push-up-Benachrichtigung über das neue Sicherheitsupdate nicht einfach wegzuwischen. Außerdem solltest du dir bewusst sein, dass Anbieter wie Google so fleißig Daten sammeln wie ein Eichhörnchen Nüsse vor dem Winter. Dirk Heuzeroth erzählt, dass Google schon vor dem Bekanntwerden der Ebola-Epidemie vermutet hat, dass da etwas am Aufbrodeln ist. User aus den betreffenden Regionen hatten vermehrt die gleichen Symptome gegoogelt. Wenn du vermeiden möchtest, dass deine potenziellen Krankheiten, Konsumvorlieben und Standortdaten in die falschen Hände gelangen, kannst du Apps und Web-Seiten am Datensammeln hindern. Dazu solltest du deinen Browser erst einmal ordentlich aufräumen und die angehäuften Daten in der Historie löschen. Darüber hinaus sammeln sich Informationen im internen Speicher. Apps wie Facebook legen automatisch einen Cache-Ordner an. Diese Zwischenspeicher solltest du ebenfalls regelmäßig leeren.

Außerdem macht es deinen Browser sicherer, wenn du nicht allen Websites Java-Skript erlaubst. Entsprechende Plugins wie beispielsweise NoSkript für Firefox  sind kostenlos und absolut empfehlenswert. Damit verhinderst du beispielsweise die ganze Werbung für Glücksspiel und Dating-Seiten, die aufploppen, sobald du dich auf einer ominösen Seite rumtreibst. Dirk Heuzeroth weist außerdem darauf hin, dass immer gecheckt werden sollte, ob die Internetverbindung verschlüsselt Passwörter und andere sensible Daten überträgt, was du am https in der Adresszeile erkennst. Wer sicher nach sensiblen Begriffen im Internet suchen möchte, dem empfiehlt sich der Inkognito-Modus oder Browser wie DuckDuckGo, die nicht nach Nutzungsdaten geiern. Ganz anonym surfst du mit Tor-Verbindungen. Wenn es geht, logge dich lieber nicht in öffentlichen Netzwerken ein. Deine mobile Datenverbindung ist sicherer als free public Wi-Fi.

 

Fremde können auf deine Kamera zugreifen, so wie hier in dem Film „Find my Phone“ (Bild: Screenshot Youtube)

Ein gesundes Misstrauen gegenüber unbekannten Quellen hilft. Will eine App Zugriff auf dein Adressbuch, Standort und Mikrofon, obwohl sie eigentlich nur Fotos zuschneiden soll, ist das genauso fragwürdig wie Spam-Nachrichten. „100-prozentig Schutz gibt es nicht “, erklärt Dirk Heuzeroth. Es ist wie bei einem echten Virus. Du wäschst dir die Hände, fasst keine Türklinken an und dann fängst du dir doch eine Grippe ein – aber ohne Prävention wäre es noch gefährlicher. Auch für Handys gibt es Virenschutzprogramme wie Snoopit oder Kaspersky. Diese sind allerdings nur eingeschränkt empfehlenswert. Wen das Thema weiter interessiert, der schaut am besten online beim Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik  vorbei. Ansonsten sind regelmäßige Backups, Updates, Schutzprogramme und Misstrauen ein guter Schutz.

Übrigens: Den Film „Find my Phone“ von Anthony van der Meer solltest du unbedingt anschauen. Der niederländische Filmstudent hat sich mit Absicht sein Handy klauen lassen. Zuvor hat er eine Spion-App auf dem Smartphone versteckt. Damit konnte er im Nachhinein auf Kamera, Mikrofon und Anwendungen zugreifen. Aus den Aufnahmen hat er einen 21-minütigen Film geschnitten. So nah an einen Menschen kam nicht einmal Big Brother.

 

 

 

 

 



Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.