Die Stipendiaten von nebenan

Stipendien sind eine attraktive Möglichkeit, um das eigene Studium zu finanzieren, doch die Klischees von Stipendiaten als Übermenschen halten sich hartnäckig, und auch die aufwendige Bewerbung schreckt viele ab. Wir stellen euch zwei Studierende vor, bei denen sich der Aufwand gelohnt hat.

Stella ist für Stuttgart die Ansprechpartnerin ihrer Stiftung (Bild: privat)

Stella Holzäpfel kam die Idee, sich für ein Stipendium zu bewerben, durch eine Broschüre in ihrer Ersti-Tüte. Ganz nach dem Motto: „Wieso nicht?“ verglich sie verschiedene Stiftungen miteinander und bewarb sich schließlich online: „Die Friedrich Naumann Stiftung für die Freiheit hat mir am meisten zugesagt, weil ich mich mit ihren liberalen Werten am besten identifizieren konnte und mir die Möglichkeit, mich ohne Zwänge selbst einbringen zu können, gefallen hat.“ Stellas Stiftung gehört zu den 13 großen Begabtenförderungswerken in Deutschland, die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) unterstützt werden und einen Großteil aller Stipendien ausschreiben. Klassischerweise fördern sie ihre Stipendiaten nicht nur finanziell, sondern auch ideell, indem sie Seminare zu verschiedensten Themen organisieren. Stella ist inzwischen schon seit zwei Jahren Stipendiatin der Friedrich-Naumann-Stiftung. Sie erhält eine monatliche Studienkostenpauschale von 300 Euro. Wer BaföG-berechtigt ist, bekommt dazu noch den elternabhängigen Satz und muss nichts zurückzahlen. Stella besucht außerdem regelmäßig die Seminare der Begabtenförderung: „Neulich war ich auf einem zum Thema Einwanderungspolitik, aber es gibt auch Rhetorikseminare oder Veranstaltungen zum Thema Konfliktmanagement. Da ist für jeden was dabei.“
Um weiterhin gefördert zu werden, muss Stella jedes Jahr einen Verlängerungsantrag stellen. Dort legt sie ihre Noten, gesellschaftliches Engagement und Engagement innerhalb der Stiftung offen. „Verglichen mit dem, was einem die Stiftung gibt, ist das echt nicht viel Aufwand“, erklärt die DHBW-Studentin, die am meisten die Gemeinschaft mit den anderen Stipendiaten schätzt: „Man kommt meistens alleine zu Veranstaltungen und geht mit neuen Bekanntschaften und Freunden nach Hause. Über die Stiftung habe ich Leute aus Studiengängen kennengelernt, von denen ich vorher noch nie gehört habe.“

In der „Kommunikationswerkstatt“ hatte Stella viel Spaß mit ihren Mitstipendiaten (Bild: Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit, Begabtenförderung)

Genau diese Gemeinschaft ist auch für Niklas* einer der wichtigsten Aspekte seines Stipendiums: „Bei der Studienstiftung sind die Alumni sehr engagiert und schauen immer, wie sie einem helfen können. Ich habe dadurch zum Beispiel eine Tutoren-Stelle bekommen.“ Der 24-Jährige studiert an der Universität Stuttgart im Master und ist seit 2014 Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes, die ebenfalls zu den 13 Begabtenförderungswerken gehört. Er erhält eine monatliche Studienkostenpauschale von 300 Euro und ideelle Förderung, dafür muss er in regelmäßigen Abständen einen Semesterbericht schreiben. Als er an das Auswahlgespräch am Anfang zurück denkt, muss er schmunzeln: „Die haben versucht, mich aus dem Konzept zu bringen: Mein Gesprächspartner ist mir oft ins Wort gefallen oder hat behauptet, ich wäre nicht auf seine Frage eingegangen. Ich habe aber schon mit sowas gerechnet und mich davon nicht stressen lassen.“ Am Ende konnte Niklas die Auswahlkommission von sich überzeugen. Die Begabtenförderungswerke achten bei der Bewerberauswahl durchaus auf den Notenschnitt, allerdings muss es nicht die Bestnote sein: Das Gesamtbild ist entscheidend, und Persönlichkeit sowie gesellschaftliches Engagement zählen ebenso. Niklas engagiert sich zum Beispiel schon seit Jahren beim Technischen Hilfswerk und hat nach dem Abitur ein freiwilliges soziales Jahr in einer Schule gemacht. Wie genau man sich einbringt, ist jedem Bewerber dabei selbst überlassen: Schülermitverwaltung ist für die Begabtenförderungswerke ebenso interessant wie Vereinsmitgliedschaften oder die Freiwillige Feuerwehr.

Der erste Schritt für viele Stipendiaten ist die Online-Suche (Bild: Katrin Nöbauer)

80 Prozent aller deutschen Studierenden haben sich noch nie auf ein Stipendium beworben, obwohl viele die Voraussetzungen erfüllen. Etwa ein Drittel aller Stipendienbewerbungen wird angenommen, und die Absage einer Stiftung bedeutet nicht, dass eine andere einen nicht doch unterstützen würde. Neben den 13 großen Begabtenförderungswerken schreiben auch viele kleinere Stiftungen Stipendien aus, oft gezielt für bestimmte Fächer oder Hochschulstandorte. Außerdem unterstützen die meisten Stuttgarter Hochschulen das Deutschlandstipendium, bei dem Studierende monatlich 300 Euro erhalten. Davon übernehmen die Hälfte der Bund und die andere Hälfte die Förderer der Universität. Auch für bestimmte Studienzwecke, wie beispielsweise Auslandsaufenthalte oder Bachelorarbeiten, werden Förderungen angeboten.

Eine Übersicht über die verschiedenen Stipendienarten und Bewerbungstipps findet ihr auf der Homepage des Studierendenwerk Stuttgart. Ronald Friedrich, Sozialberater beim Studierendenwerk Stuttgart, hält außerdem im Rahmen seiner Infovortragsreihe regelmäßig einmal pro Semester einen Vortrag über Stipendien für Studierende. Der nächste Vortrag ist für Mittwoch, 16. Mai um 16 Uhr in der Mensa Stuttgart-Mitte (machBAR) geplant.

Über den Stipendienlotsen des Bundesministeriums für Bildung und Forschung findet vielleicht auch ihr das passende Stipendium für euch.

Stella Holzäpfel empfiehlt allen, es einfach einmal zu versuchen: „Kein Stipendiat, mit dem ich geredet habe, war sich im Vorhinein sicher, dass er eine Zusage für das Stipendium erhält. Ich bin unglaublich froh, dass ich es versucht habe und jetzt diese Bereicherung in meinem Leben habe.“

 

 

 

 

 

 

 

 



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