Jede Performance ein Debüt

Wirklich sicher sein kann man sich im Leben nie. Vieles liegt nicht in unserer Hand. Das Zauberwort heißt Improvisieren. Konstantin Korovin ist Experte darin, denn seit Jahren spielt er Improvisations-Theater. Warum sein Leben ohne Improtheater traurig aussehen würde, erfährst du hier:

Laut Konstantin (vorne links) haben alle in dem Ensemble einen leichten Knall (Bild: Kanonenfutter)

 

Stell dir vor, du hältst eine Präsentation an der Uni. Dein Prof notiert sich Bemerkungen zu deinen Noten, doch dann wird es plötzlich dunkel hinter dir. Deine Mitstudierenden erwachen aus dem Halbschlaf und gestikulieren in Richtung Beamer. Wo gerade noch deine Powerpoint an der Wand strahlte, blinkt jetzt ein Fehlerzeichen. Wie schön wäre es jetzt, spontan und entspannt zu reagieren. Konstantin Korovin (30) kann genau das. Bei Kanonenfutter, dem Improtheater der Hochschule der Medien, hat er das gelernt. Die Proben sind für Konstantin eine „Insel im Alltag“, die Theater-Leute „ein Schlag voll Menschen, die alle ein bisschen einen Knall haben und gerne auf der Bühne stehen“. Dazu brauchen er und sein Team keine Skripte. Jedes Wort, jede Bewegung ist beim Improtheater spontan. Anstatt feststehende Texte vorzutragen, verlässt sich Kanonenfutter auf das Publikum. Welches Schlagwort auch immer während des Auftritts reingerufen wird, die Theatermenschen basteln daraus eine improvisierte Handlung. „Einmal musste ich einen Freestyle-Battlerap  darüber machen, warum ich jetzt in einer Badewanne voller Gummienten in Ruhe gelassen werden sollte“, erinnert sich Konstantin. Jedes Ergebnis bei Improtheater ist absurd. Und auch wenn nicht klar ist, was am Ende dabei rauskommt, eins ist sicher: Das Publikum liebt es. Ausverkaufte Veranstaltungen, tosendes Gelächter und massenhafter Applaus sprechen für sich. Wenn die Theater-Crew an der eigenen Hochschule auftritt, muss die Security sogar die Tür sichern, damit nicht zu viele Fans den Raum stürmen.

Mit seinen Mitmenschen auf der Bühne muss Konstantin telepathisch kommunizieren (Bild: Kanonenfutter)

Unabhängig vom Spaßfaktor hilft Improtheater in allen möglichen Lebenslagen. Bammel vor technischen Pannen bei Präsentationen hat Konstantin nicht mehr, obwohl er sich früher selbst als introvertiert beschrieben hätte. Doch wen erschüttert schon noch ein ausgefallener Beamer, wenn er zuvor eine Kuckucksuhr auf der Bühne darstellen musste. „Ich bin definitiv offener geworden“, versichert der Mediengestalter. Das rührt daher, dass er sich beim Improtheater sekündlich auf Neues einlassen muss. Geradezu telepathisch verständigt Konstantin sich mit seinem Gegenüber, wenn sie gemeinsam auf eine improvisierte Handlung hinarbeiten. Allzu oft ist es so, dass er bei einem anderen Ende landet als ursprünglich angedacht. Genau dann muss er offen sein für neue Optionen und mit dem klar kommen, was das Leben ihm gerade vor die Füße wirft. Gescheitert ist Konstantin dabei laut eigener Auffassung nie. „Man wird mit jedem Mal vor dem Publikum besser“, erklärt er. Deshalb ist ihm auch noch nie ein peinlicher Moment auf der Bühne passiert.

Keine Handlung ist zu abgedreht, jede Situation kann auf der Bühne entstehen (Bild: Kanonenfutter)
Keine Handlung ist zu abgedreht, jede Situation kann auf der Bühne entstehen (Bild: Kanonenfutter)

Improtheater ist demnach frei von Risiko. Man kann nur gewinnen: Spontanität, Selbstvertrauen, Offenheit. Wer sich selbst davon überzeugen möchte, wie das aussieht, der kann bei den regelmäßigen Auftritten von Kanonenfutter vorbeischauen. Die nächsten Darbietungen gibt das Ensemble auf seiner Facebook-Seite bekannt. Darüber hinaus ist Konstantin seit Anfang des Jahres auch als Stand-up-Comedian auf den Bühnen Deutschlands unterwegs. Der nächste geplante Termin in Stuttgart liegt aktuell im Februar. Ansonsten gibt seine Website  Auskunft über anstehende Performances.



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