Körper auf Reset

Stell dir vor, dein Wecker klingelt morgen früh um 4:30. Die Studentin Mareika Greiss hat an der Early Day Challenge teilgenommen und 21 Tage lang das Bett morgens um halb fünf verlassen. Wie es ihr im Kampf gegen die Snooze-Taste erging, lest ihr hier:

In der Early Day Challenge wandelte Mareika zwischen Schlafmangel und Selbsterkenntnis (Bild: Svenja Greiss)

„Du wirst Dinge sehen, die du sonst nicht siehst.“ Das verspricht Filipe Castro Matos in seinem Ted Talk auf Youtube. Das wollte sich Mareika nicht entgehen lassen. Das einzige Manko: Für die sogenannte Early Day Challenge soll sie jeden Morgen um halb fünf aufstehen. „Ich war wirklich begeistert von der Idee“, erzählt die 23-Jährige, „aber wie es halt immer so ist, habe ich einfach nicht gestartet.“ Bis zu dem Tag, an dem Mareikas Mutter bei ihrer Tochter noch einmal nachfragt, wann genau sie ihre Challenge starten möchte. „Morgen“ antwortete die Studentin darauf spontan. Das Aufstehen am darauffolgenden Tag fiel ihr dabei gar nicht so schwer wie das ungewohnt frühe Einschlafen. Um acht Uhr abends sollte Mareika im Idealfall Schäfchen zählen – eine Uhrzeit, um die Mareika ansonsten gerade einmal mit Abendessen fertig ist. „Die erste Nacht war die schlimmste“, erinnert sich die Frühaufsteherin, „ich lag einfach nur stundenlang wach, weil ich Angst hatte, den Wecker zu verschlafen.“ Eine Stunde vor dem Schlafengehen macht Mareika komplett alle Lichter aus, auch wenn das bedeutet, dass sie sich im Dunkeln die Kontaktlinsen aus den Augen fischen muss. Nachdem Mareika für die Challenge ohnehin schon ins kalte Wasser gesprungen ist, hat sie sich wenigstens eine sanfte Weckmethode einfallen lassen. Anstatt einem nervigen Beep, Beep hat sie sich eine App runtergeladen, die einen mit Meditationsklängen aus dem Land der Träume holt.

Nach der Challenge hat Mareika festgestellt, dass sie sich auch in Zukunft mehr Zeit fürs Frühstück lassen will (Bild: privat)

„Die 21 Tage waren eine Zeit, in der ich mich sehr viel mit mir selbst auseinandergesetzt habe“, erinnert Mareika sich. Durch die Routine lernte die 23-Jährige ihren eigenen Körper besser kennen. Zu der Zeit machte die Studentin gerade ein Praktikum bei einer Film-Agentur. Wenn sie vor dem Bildschirm müde wird, kann sie unterscheiden, ob ihr Körper wegen der Arbeit oder ihrem Biorythmus erschöpft ist. „Allgemein habe ich mich belebter und geerdeter gefühlt“, beschreibt Mareika ihre Erfahrung. Doch die Challenge wirkte sich nicht nur auf den Körper positiv aus. Die größte Veränderung hat das Frühaufstehen bei Mareika im Kopf bewirkt: „Mir ist bewusst geworden, wie viel Zeit ich eigentlich am Tag habe, um Dinge zu realisieren, die mir wichtig sind.“ Und tatsächlich hat Mareika wie versprochen Dinge gesehen, die sie sonst nicht gesehen hat: Rehe im Frühtau im Park oder Gemüsehändler, die morgens ihre Stände auf dem Markt aufbauen. Dafür musste sie aber auch feststellen, dass die Challenge eher weniger sozialkompatibel ist. Denn weil Mareika so früh ins Bett gegangen ist, musste sie ein paar Kino- und Konzertbesuche absagen.

Einer der schönsten Momente für Mareika war, als sie morgens in der Früh auf dem Markt einkaufen war (Bild: privat)

Trotzdem: Dadurch, dass Mareika um 4:30 morgens ganz alleine mit sich und ihren Gedanken war, ist ihr klar geworden, wie sie ihr Leben gestalten möchte. Ein Wecker, der jeden Tag um halb fünf klingelt, gehört nicht dazu. „Die Early Day Challenge ist ein Konzept, und das kann man anpassen“, findet Mareika. Für sie bedeutet das, dass sie auch in Zukunft spätes Aufstehen vermeiden wird und möglichst routiniert in den Tag starten will. Einmal pro Jahr will sie sich aber wieder ganze drei Wochen Zeit nehmen, um die Challenge mit dem 4:30 Uhr-Konzept zu starten. Beim nächsten Mal wird sie ihre Einschlaf-Zeit allerdings Stück für Stück nach hinten staffeln. „Das Ganze mach ich dann am liebsten wieder im Januar“, erklärt Mareika. Denn dann fühlt es sich an, als hätte sie „den Körper für das neue Jahr wieder auf Reset gestellt“.

 

 

 

 



1 thought on “Körper auf Reset”

  • Zuerst einmal: Bravo für’s Durchhalten, liebe Mareika. Sich einer Herausforderung stellen – ganz gleich welcher Art – und die Sache durzuziehen ohne einmal zu schwänzen, das ist eine Erfahrung, auf die man immer zurückgreifen kann, wenn man mal wieder vor einem schier unüberwindlichen Hügel steht. Dann denkst Du an Deinen nächtlichen Wecker zurück und weißt: ich schaff auch da hiers! Man kommt direkt in Versuchung, den 70jährigen Schweinehund zu überwinden, und es auch mal zu versuchen – wer weiß 🙂 Viel Glück für alle weitern Unternehmungen. (D)eine beeindruckte Omi

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