Stuttgarts mobiler Umschwung

Immer nur mit den öffentlichen Verkehrsmitteln zu fahren, ist nicht Euer Ding? Oder die Verbindung zu Eurem Ziel ist manchmal einfach schlecht? Dann kommen die mittlerweile zahlreichen Alternativen wahrscheinlich gerade richtig. Wir haben sie für Euch verglichen.

Wie werden wir uns in Zukunft in Städten wie Stuttgart fortbewegen? Der Trend geht zu Sharing-Modellen (Bild: Aline Spantig)

Seit über einem Jahr rauschen in Stuttgart immer wieder blaue Stella-Roller an einem vorbei. 75 der mit Öko-Strom betriebenen Flitzer haben die Stadtwerke Stuttgart vor gut einem Jahr in der Stadt verteilt. Das Prinzip ist einfach: Jeder Roller hat zwei Helme und einen Fahrzeugschlüssel in der Helmbox. Ein Klick in der Stella-App und die Helmbox öffnet sich. Zuvor muss man seinen Führerschein einmalig verifizieren, was praktischerweise über einen Videoanruf via Skype erledigt werden kann. Rumdüßen sollte man nur im Nutzungsgebiet, das in Bad Cannstatt und Degerloch endet. Besonderes Plus für Studierende: Rund um die Unis in Vaihingen und Hohenheim darf man sich ebenfalls auf die blauen Roller schwingen. Abgerechnet wird pro gefahrenem Kilometer (59 Cent) oder pro Minute (19 Cent); je nachdem, womit man günstiger wegkommt. Die 19 Euro Anmeldegebühr sind allerdings happig, auch wenn man dafür 50 Freiminuten bekommt. Eine Fahrt vom Hauptbahnhof zum Fernsehturm kostet circa drei Euro – ganz gleich, ob man alleine oder zu zweit auf dem Roller sitzt. Über den Winter stehen die Roller in der Garage.

In der Helmbox befinden sich nicht nur der Roller-Schlüssel, sondern stets auch zwei Helme (Bild: Ronny Schoenebaum)
In der Helmbox befinden sich nicht nur der Roller-Schlüssel, sondern stets auch zwei Helme (Bild: Ronny Schoenebaum)

Stau heißt zu viel Auto für zu wenig Straße. Eine Lösung dafür wären weniger Autos oder kleinere Autos, so wie die Smarts von Car2Go, die gerade einmal halb so lang sind wie herkömmliche Pkws. 500 dieser Doppelsitzer sind in Stuttgart verfügbar, viele weitere in großen Städten weltweit. Der Schlüssel zur Mobilität ist auch hier die App. Das Registrieren kostet 24 Euro, die in ein Fahrtguthaben, das ungefähr 50 Fahrtminuten entspricht, umgewandelt werden. Der Führerschein muss persönlich bei einer Validierungsstelle vorgezeigt werde. Der Fahrspaß in den Smarts schlägt pro Minute mit 29 Cent zu Buche. Eine Fahrt vom Hauptbahnhof zum Fernsehturm kostet circa 4,50 Euro, wiederum für eine oder zwei Personen. Vor allem die Studierenden, die ohnehin ein VVS-Ticket haben, bewegen sich damit schnell in einen preislichen Rahmen, bei dem man doch lieber verspätete und überfüllte Bahnen in Kauf nimmt. Neben den Smarts stellt Daimler 50 B-Klasse-Fahrzeuge zum Sharing in Stuttgart bereit. Stadtmobil und Flinkster bieten in Stuttgart ebenfalls Fahrzeuge auf Zeit an. Allerdings müssen diese immer an festen Stellplätzen abgeholt und geparkt werden, wodurch das Ganze eher einer klassischen Autovermietung gleicht. Und das ja eigentlich das, was Stella-Roller und Car2Gos von anderen öffentlichen Fortbewegungsmitteln unterscheidet: unabhängig von Fahrplänen und Haltestellen vorwärtskommen. Die Realität sieht allerdings oftmals anders aus, da die Anzahl der bereitgestellten Fahrzeuge zu klein ist: Sowohl die Roller als auch die Smarts stehen manchmal so weit weg vom aktuellen Standort, dass sich die Buchung weder zeitlich noch finanziell lohnen würde.

Neben Stuttgart fahren Car2Gos auch in Hamburg, Berlin, München, Frankfurt und im Rheinland (Bild: Daimler)

Wer vor allem auf seine Finanzen schaut, für den könnte sich die App der Moovel Group lohnen. Die App vergleicht ÖPNV, Taxis, Leihfahrräder und Car2Gos miteinander und zeigt auf, was gerade am günstigsten und schnellsten ist. Da Moovel jedoch eine Tochter von Daimler ist, ist das Angebot nicht ganz uneigennützig. Die Konkurrenz Stella Sharing wird nicht aufgelistet, genauso wenig wie der Fußweg. Dafür kann man in der App direkt bezahlen, sogar ÖPNV-Tickets. Wer also auf der Suche nach dem besten Zeit-Kosten-Verhältnis ist, für den lohnt sich die App. Ansonsten ist es eine Überlegung wert, das VVS-Ticket mit einem Sharing-Angebot aufzustocken, um für alle mobilen Eventualitäten vorbereitet zu sein.

 

 



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