Wie hart es ist, Mode zu studieren

Klamotten designen, eigene Kollektionen entwerfen, sich kreativ ausleben – Kleidungsstücke zu kreieren könnte so traumhaft sein. Die Realität an renommierten Fashion-Instituten sieht oftmals anders aus: Stress, harte Arbeit, gnadenloses Umfeld. Der Weg einer ehemaligen Studentin:

An ihrem 14. Geburtstag fing Elma an zu nähen. Seitdem ist sie von Mode angefixt. (Bild: privat)

„Sie haben mir ans Herz gelegt, wieder nach Hause zu gehen”, erinnert sich Elma an ihr erstes Vorstellungsgespräch beim Amsterdam Fashion Institut (AMFI). Die damals 19-Jährige träumt davon, Klamotten zu designen, Kollektionen zu entwerfen und sich in ihrem eigenen Atelier auszutoben. Talent hat sie, das sieht auch die Jury des Instituts. Monatelang hat Elma an ihrem Portfolio für die Modeschule gearbeitet. Um für den kleinen Kreis der Fashion-Studierenden ausgewählt zu werden, muss sie zusätzlich eine praktische Aufnahmeprüfung bestehen: innerhalb von zwei Wochen eine Puppe designen, die in drei verschiedenen Weisen als Accessoire getragen werden kann. Die kritische Jury gewährt Elma ein „bestanden”. Theoretisch dürfte sie mit ihrem Traum-Studium loslegen. Trotzdem rät ihr das Komitee, ihre Pläne noch einmal zu überdenken. „Sie wussten, wie hart das Programm ist. Und sie wussten, dass ich es noch nicht weiß”, resümiert Elma.

Das Amsterdam Fashion Institut fordert Studierende zu Höchstleistungen (Bild: Aline Spantig)

Elma folgte dem Rat und ließ sich ihre Studiumspläne erneut durch den Kopf gehen. Noch gefestigter in ihrer Entscheidung immatrikulierte sie sich ein Jahr später am Amsterdam Fashion Institut. „Von da an hatte ich kein Sozialleben mehr“, blickt die heute 24-Jährige zurück. Jeden Morgen schob sie ihren Rollkoffer voller Stoffe, Nadeln und Schablonen in die Hochschule. Dort besuchte sie den ganzen Tag Workshops. Die Kleidungsstücke, die sie den Tag über nicht fertig genäht hatte, nahm sie abends wieder im Rollkoffer mit nach Hause. „Die Leute haben immer gedacht, ich würde in den Urlaub fliegen“, erinnert sich Elma. Aber der Koffer war nur voller Arbeit. Zeit für Urlaub hatte die Studentin genauso wenig wie für einen Nebenjob. Den musste sie kurz nach Beginn des Studiums kündigen. All die Materialien bezahlte Elma dennoch aus eigener Tasche. Doch das, was die Studentin wirklich fertig gemacht hat, war das Arbeitsklima am Institut. „Mehr als die Hälfte der Mädchen dort haben sich praktisch nur von Reiswaffeln und Wasser ernährt“, erzählt Elma. Essstörungen sind ihrer Einschätzung nach noch immer präsent in der Welt der Mode und damit auch dem Amsterdam Fashion Institut. Der Druck immer ästhetisch, einzigartig und herausragend zu sein, ist groß. Nach drei Monaten war die Klasse von 40 auf 15 Studierende geschrumpft.

Elma entwarf sogar eine eigene T-Shirt-Kollektion unter dem Namen „Amle“ (Bild: privat)

„Die Lehrer haben uns immer gesagt, sie sind so hart zu uns, weil das für uns die Realität nach dem Abschluss in der Branche sein wird“, weiß Elma noch, „sie machten uns runter, beleidigten unsere Kreationen und brachten uns zum Weinen.“ Nach eineinhalb Jahren hatte die Studentin genug davon. „Ich liebe Mode noch immer, aber wenn das die Fashion-Realität sein soll, dann nähe ich lieber nur für mich allein zuhause“, meint Elma. Allen, die sich heute überlegen, Mode zu studieren, kann Elma nur eins empfehlen: „Macht es nur, wenn ihr wirklich mit ganzem Herzen dahinter steht und eine dicke Haut habt. Ansonsten geht ihr unter.“

 

 

 

 

 



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